Schöneberger Forum 2026
Personalräte in Zeiten der Modernisierungsagenda
Chancen, Risiken und Handlungsspielräume
11. - 12. November 2026, Hotel Berlin, Berlin
Der öffentliche Dienst steht unter massivem Veränderungsdruck. Erwartet werden endlich spürbare Fortschritte bei der Modernisierung des Staates – schneller, digitaler, handlungsfähiger soll er werden. Der Reformbedarf ist unstrittig. Entscheidend ist aber, welche Leitplanken die Politik setzt, damit Modernisierung nicht nur angekündigt, sondern wirksam wird. Mit den 2025 verabschiedeten Modernisierungsagenden wollen Bund und Länder genau diesen Rahmen vorgeben.
Modernisierung bedeutet aber mehr als moderne Technik und schlankere Prozesse. Damit Veränderung gelingt, braucht es gute Arbeitsbedingungen, die Beschäftigte stärken und ihnen ermöglichen, den Wandel aktiv mitzugestalten. Digitalisierung, neue Formen der Zusammenarbeit und steigende Anforderungen verlangen klare Strategien, verlässliche Ressourcen und eine Kultur, die Beteiligung ernst nimmt. Gute Arbeit heißt deshalb auch: Mitbestimmung, Qualifizierung, transparente Verfahren und realistische Arbeitsbelastungen.
Genau hier setzt die Rolle der Personalräte an – damit Modernisierung nicht zulasten der Beschäftigten geht, sondern spürbar entlastet und Qualität sichert. Im Mittelpunkt des Schöneberger Forums 2026 steht daher die Frage, wie Personalräte die Modernisierungsprogramme mitgestalten können: Welche Chancen, Risiken und Handlungsspielräume bieten sich? Darüber wollen wir diskutieren.
Die Anmeldung zum Schöneberger Forum 2026 ist möglich ab Mitte Mai 2026.
Das Forum wird vom DGB Bildungswerk e. V. als Veranstalter in Kooperation mit dem DGB durchgeführt.
PODIUMSGESPRÄCH TAG 1: Moderner Staat, attraktiver Arbeitgeber?!
Wie ist der Staat gegenwärtig aufgestellt, um öffentliche Aufgaben wirksam, effizient und verlässlich wahrzunehmen und auf veränderte Anforderungen zu reagieren? Diese Frage betrifft unmittelbar die Beschäftigten im öffentlichen Dienst: Sie setzen Modernisierungsvorhaben um, gestalten Verwaltungsprozesse im Alltag mit und erleben die Auswirkungen veränderter Strukturen, digitaler Verfahren, wachsender Aufgaben und knapper Ressourcen unmittelbar. Zugleich stehen Verwaltungen und Beschäftigte unter erheblichem Druck, öffentliche Leistungen effektiver und effizienter zu erbringen, ohne dass die Anforderungen an Qualität, Zugänglichkeit und Daseinsvorsorge sinken. Vor diesem Hintergrund nimmt das Plenum Staatsmodernisierung aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick.
PODIUMSGESPRÄCH TAG 2: Modernisierungsprozesse: Blick über den Tellerrand
Mit den Modernisierungsagenden von Bund und Länder sind umfangreiche Reformvorhaben verbunden. Andere Länder, Organisationen und Unternehmen haben vergleichbare Modernisierungsprozesse bereits angestoßen oder umgesetzt und dabei Erfahrungen unter hohem Veränderungsdruck gesammelt. In der Talkrunde werden ausgewählte Reform- und Modernisierungsbeispiele vorgestellt und diskutiert. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Erfahrungen bereits gemacht wurden: Was hat sich bewährt? Wo lagen Hürden und Widerstände? Welche Folgen hatten die Veränderungen für Organisation, Prozesse, Führung und Beschäftigte? Und welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus für die Modernisierung des öffentlichen Dienstes in Deutschland ziehen? Die Runde soll unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und sichtbar machen, welche Bedingungen Modernisierung unterstützen – und welche Risiken entstehen können, wenn Veränderungsprozesse nicht ausreichend vorbereitet, begleitet oder mit den Beschäftigten gestaltet werden.
WORKSHOP 1: KI mitbestimmen - Herausforderungen und Werkzeuge für Personalräte
IT-Systeme mit künstlicher Intelligenz sind im Jahr 2026 an den Arbeitsplätzen des öffentlichen Dienstes angekommen und verändern Arbeitsprozesse, Entscheidungsstrukturen und Formen der Zusammenarbeit. Damit rückt die Mitbestimmung im Kontext von KI zunehmend ins Zentrum der Personalratsarbeit und stellt neue Anforderungen an Interessenvertretungen. Der Workshop vermittelt durch fachliche Impulse, Austausch und gemeinsame Arbeitsphasen einen kompakten Überblick über die Funktionsweisen und Einsatzfelder von KI sowie über zentrale Chancen und Herausforderungen aus Beschäftigtenperspektive. Darüber hinaus werden erste konkrete Auswirkungen im öffentlichen Dienst beleuchtet und rechtliche sowie organisatorische Rahmenbedingungen der Mitbestimmung thematisiert. Ein besonderer Fokus liegt auf praxistauglichen Instrumenten und Strategien, mit denen Personalräte „Gute Arbeit mit KI“ aktiv gestalten können – von der frühzeitigen Beteiligung über Regelungsansätze bis hin zu Fragen der Kontrolle und Evaluation von KI-Systemen. Ziel des Workshops ist es, Sicherheit im Umgang mit dem Thema zu gewinnen, Handlungsoptionen zu erkennen und die eigene Rolle als Personalrat im digitalen Wandel souverän wahrzunehmen.
WORKSHOP 2: Personalentwicklung: Qualifizierungsansprüche durchsetzen, Entwicklungsmöglichkeiten bieten
Personalmangel, Digitalisierung, neue Aufgaben und steigende Arbeitsbelastung verändern den öffentlichen Dienst. Gute Personalentwicklung wird deshalb immer wichtiger: Sie soll Beschäftigte nicht nur kurzfristig einsatzfähig halten, sondern echte Entwicklungsperspektiven eröffnen. Qualifizierung, Aufstieg und faire Zugänge zu Fortbildung sind zentrale Handlungsfelder für Personalräte. Der Workshop zeigt, wie Personalräte Personalentwicklung mitgestalten können. Im Mittelpunkt steht, wie Qualifizierungsbedarfe sichtbar gemacht, Beteiligungsrechte genutzt und transparente Verfahren durchgesetzt werden. Dabei geht es um individuelle Wünsche und kollektive Regelungen: Wer erhält Zugang zu Fortbildungen? Nach welchen Kriterien wird ausgewählt? Wie werden Beschäftigte erreicht, die bisher zu selten berücksichtigt werden? Ziel ist es, den Blick für die rechtlichen und strategischen Handlungsmöglichkeiten von Personalräten zu schärfen. Die Teilnehmenden erhalten Impulse, wie Qualifizierung verbindlicher, gerechter und planbarer gestaltet werden kann – etwa durch klare Verfahren, nachvollziehbare Kriterien und Regelungsbausteine für Dienstvereinbarungen.
WORKSHOP 3: Arbeitszeit gestalten, Belastung senken
Die Arbeitszeit entscheidet über Gesundheit, Belastung und Lebensqualität. Aber auch im öffentlichen Dienst erleben viele Beschäftigte hohen Zeitdruck, volle To‑do‑Listen und oftmals ein Arbeitspensum, das schwer zu bewältigen ist. Überstunden, Schichtdienste und fragmentierte Arbeitszeiten führen zu Stress, Erschöpfung und fehlender Erholung. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Arbeitszeiten, die besser zum eigenen Leben passen und mehr Selbstbestimmung ermöglichen. Denn wenn Kolleg*innen solche Spielräume haben, wirkt sich das nicht zuletzt auch positiv auf ihre Gesundheit aus. Zumindest dann, wenn Handlungsspielräume nicht durch eine übermäßige Arbeitsbelastung wieder aufgehoben werden.
Im Workshop diskutieren wir, wie die reale Arbeitszeitpraxis im öffentlichen Dienst aussieht und welche Hebel Personalvertretungen nutzen können, um Autonomie zu stärken, Belastungen zu reduzieren und verlässliche Schutzrahmen zu schaffen, die gute Arbeit tatsächlich ermöglichen.
WORKSHOP 4: Transformationsprozesse im öffentlichen Sektor – Handlungsspielräume bei der Mitbestimmung
Transformationsprozesse im öffentlichen Sektor umfassen tiefgreifende, strukturelle Veränderungen, die über bloße Anpassungen hinausgehen. Sie inkludieren beispielsweise die Flexibilisierung von Arbeit, das Implementieren von automatischen Prozessabläufen oder aber die Stärkung der Personalentwicklung. Personalräte stehen dabei vor der zentralen Aufgabe, Veränderungsprozesse nicht nur zu begleiten, sondern aktiv im Interesse der Beschäftigten mitzugestalten. Doch wo liegen konkrete Einflussmöglichkeiten? Welche Beteiligungsrechte bestehen? Und wie kann Mitbestimmung in der Praxis wirksam genutzt werden? Der Workshop zeigt anhand erfolgreicher Beispiele aus dem öffentlichen Sektor, wie Transformationsprozesse gestaltet wurden. Vorgestellt werden aktuelle Projekte, Strategien, praktische Instrumente und Ansätze, mit denen Personalvertretungen frühzeitig Einfluss genommen und tragfähige Lösungen erreicht haben.
WORKSHOP 5: Zukunftswerkstatt – Moderner Staat, attraktiver Arbeitgeber
In der Zukunftswerkstatt entwickeln die Teilnehmenden gemeinsam Vorstellungen davon, was einen modernen Staat ausmacht – und was der öffentliche Sektor leisten muss, um aus Sicht der Beschäftigten ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Ausgangspunkt sind ihre Erfahrungen, Wünsche und Bedürfnisse: Was läuft heute nicht gut? Was müsste sich verändern? Und welche Ideen können daraus für die Zukunft entstehen? Die Werkstatt verläuft in drei Phasen: In der Kritikphase werden Defizite, Hemmnisse und ungelöste Probleme im öffentlichen Dienst gesammelt. In der Utopiephase wird bewusst frei gedacht: Wie könnten gute Arbeitsbedingungen, moderne Strukturen und echte Beteiligung aussehen, wenn zunächst keine Grenzen gesetzt wären? In der Realisierungsphase werden die Ideen auf die Praxis zurückgeführt und konkrete Ansatzpunkte herausgearbeitet. So macht die Methode Erfahrungswissen sichtbar, löst eingefahrene Denkmuster auf und schafft Raum für tragfähige Lösungen. Damit ein intensiver Austausch möglich ist, findet die Zukunftswerkstatt an beiden Veranstaltungstagen mit derselben Teilnehmendengruppe statt.
